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Entwurf einer Begrüßungsansprache für die Veranstaltung zum Gedenken an den 100. Jahrestag der Ermordung Rosa Luxemburgs am 09. Januar 2019 vom 09. Januar 2019 (Unveröffentlicht)

Vorbemerkung: Die „Internationale Rosa-Luxemburg-Gesellschaft“ lud für den 9. Januar 2019 zu einer international angekündigten Veranstaltung zum Gedenken an die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts am 15. Januar 1919 in den Lesesaal des Bundesarchivs Berlin ein. Mitveranstalter war der „Förderkreis Archive und Bibliotheken der Geschichte der Arbeiterbewegung“, die SAPMO unterstützte die Veranstaltung. Hauptrednerin sollte Annelies Laschitza sein, die große Editorin, Biographin und Historiographin Rosa Luxemburgs und auch Karl Liebknechts. Doch Annelies Laschitza verstarb plötzlich am 10. Dezember 2018. Es musste trotz des Schocks umdisponiert werden. Ottokar Luban konnte Michael Brie gewinnen, um über Rosas Fragment „Zur russischen Revolution“ von 1918 zu sprechen. Eckhard Müller, Annelies´ Mitstreiter, und Grit Ulrich vom Bundesarchiv hielten ebenfalls Vorträge.
Ich wurde am Abend des Tages vor der Veranstaltung gebeten, sie zu moderieren. Also schrieb ich einen Entwurf, den ich aber nicht umzusetzen brauchte, weil wir uns auf einen anderen Modus einigten. Deshalb drucke ich den Text nun hier ab, um beiden großen Frauen, Rosa Luxemburg und Annelies Laschitza, meine Reverenz zu erweisen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste!
Vor 100 Jahren, am 15. Januar 1919, wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von fanatischen Militaristen und Nationalisten der Gardekavallerie-Schützendivision heimtückisch ermordet. Freikorpssoldaten in Regierungsdiensten wollten so mit Jenen abrechnen, denen ihr Haß wegen der Revolution, der Absetzung des Kaisers und der anderen Throninhaber, der Umwälzungen, und seien sie auch noch so klein, galt. Rosa Luxemburg gehörte zu den publizistisch lautesten und wirkungsmächtigsten Stimmen gegen die Kriegstreiber vor 1914 und während des Krieges, sie war durch die „Juniusbroschüre“ die schärfste Kritikerin aus der Arbeiterbewegung gegen die „Burgfriedenspolitik“. Dafür rächten sich ihre Gegner auf furchtbare Weise, mit einem feigen Mord. Dann konstruierten sie die Mär vom „Spartakusaufstand“, den blutig niederzuschlagen eine nationale Pflicht gewesen sei. „Einer muss der Bluthund sein“, mit diesen bösen Worten öffnete Gustav Noske die Schleusen für eine Flut der Rache an den Revolutionären, die mehr wollten als nur eine parlamentarische Republik, nämlich eine sozialistische Rätedemokratie, eine Gesellschaft ohne Unterdrückung und Ausbeutung. Dass der Januaraufstand kein „Spartakusaufstand“ war, sondern eine spontane radikalsozialistische Erhebung, das alles wussten die maßgebenden Politiker Preußens und des Reiches allzu genau. Jörn Schüttrumpf hat gerade wieder den unterschlagenen Untersuchungsbericht des Untersuchungsausschusses der Verfassunggebenden Preußischen Landesversammlung bearbeitet und veröffentlicht.
Dass das Rosa-Luxemburg-Bild nicht das gefälschte Zerrbild einer gewalthaften, fanatischen und menschlich rücksichtslosen Aufpeitscherin bleiben konnte war das Verdienst all derer, die Rosa kannten bzw. über sie schrieben und sprachen. Und forschten. Niemand hat sich im deutschen Sprachraum, ja wohl auch weltweit, mehr Verdienste um Rosa Luxemburgs Leben und Werk erworben wie Annelies Laschitza. Als Herausgeberin der Gesammelten Werke und ihrer Briefe, als Historikerin und Biographin, verfügte sie über ein mehr als 50jähriges Wissen und Erleben auf den Spuren Rosa Luxemburgs. Dass sie am 10. Dezember 2018 so plötzlich verstarb traf uns alle wie ein Keulenschlag. Wie selbstverständlich war es, dass Annelies zu Rosa Luxemburg vortrug, wie selbstverständlich auch, dass dies noch lange so bleiben würde. Es kam anders.
Rosa Luxemburg, der großen Denkerin, Publizistin und Revolutionärin sollte heute unser Gedenken am 100. Jahrestag ihrer Ermordung gelten. Nun gilt es auch ihrer großen Biographin, Historiographin und Herausgeberin. Wir haben jetzt diese Fackel weiter zu tragen.
Im Namen des Förderkreises Archive und Bibliotheken der Geschichte der Arbeiterbewegung begrüße ich Sie hiermit herzlich zu dieser gemeinsamen Veranstaltung auf Initiative der Internationalen Rosa-Luxemburg-Gesellschaft. Ich danke hier vor allem Ottokar Luban für diese großartige Initiative und nicht zuletzt auch der SAPMO, namentlich Frau Dr. Walther-von Jena, für die Unterstützung.
Ich freue mich, nun Ottokar Luban das Wort zu übergeben für einige Sätze des Gedenkens an Annelies Laschitza.