Diverses

Begrüßungstext zur Veranstaltung des Kulturvereins Glienicke: „Christa Wolf und die Sowjetunion“ mit Dr. Elke Scherstjanoj am 26.04.2017 im Glienicker Bürgerhaus. Entwurf vom 26. April 2017

Verehrte Frau Scherstjanoj, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
Seit gefühlt einem Lebensalter wohl hat Peter Herzfeldt die „Literarische Stunde“- Veranstaltungen des Kulturvereins Glienicke betreut und eingeleitet, stets mit wohlgesetztem Wort die Vortragenden begrüßt und verabschiedet, selbst auch für die Verteilung der Infomaterialien gesorgt. So hat er auch mich drei Mal an der Stelle begrüßt, an der ich heute Frau Dr. Elke Scherstjanoj begrüßen darf. Irgendwann reifte wohl bei den Herzfeldts die Idee, der Czitrich-Stahl könnte doch hier im Kulturverein aktiv sein und dafür sorgen, dass die Kultur weiter im Gespräch bleibt. Da habe ich ihm gern zugesagt und möchte ihm jetzt von mir aus herzlich für das danken, das er für mich getan hat und ihm und allen Kolleginnen und Kollegen des Kulturvereins versprechen, in seinem Sinne und auch mit seiner Unterstützung mein Bestes zu tun!

Über Christa Wolf zu sprechen heißt eigentlich Eulen nach Athen zu tragen. Sie gehört zu den allerbedeutendsten Schriftstellerin der deutschen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts in einer Zeit, als die Welt gespalten war in zwei Systeme des Wirtschaftens, des Herrschens und des Denkens. In einer solchen schwierigen Zeit, zumal des Kalten Krieges, kommt der Sprache, der Kultur und der Literatur eine verbindende, eine Brückenfunktion zu. Literatur reflektiert stets die Bedingungen menschlichen Lebens und Schaffens, fasst sie in Gedanken und Worte, kann so über Differenzen und Grenzen hinweg dafür Sorge tragen, dass man einander verstehen will und kann. Christa Wolf vermochte diese Verbindungen herzustellen wie kaum eine andere Schriftstellerin und Denkerin ihrer Zeit. Ihre Bücher wurden in beiden deutschen Staaten verlegt und gelesen, sie erhielt Auszeichnungen hüben wie drüben. An Drehbüchern und Hörspielen war Christa Wolf ebenso beteiligt. Vielfältig und reichhaltig war ihr Werk, auch im Hinblick auf Selbstreflexionen.
Christa Wolf verstand sich als Sozialistin und nutzte zwischen 1957 und 1989 zehnmal die Gelegenheit, sich in der Sowjetunion aufzuhalten. 1957 stand politisch im Zeichen der Entstalinisierung, aber auch unter dem Eindruck der Ereignisse in Polen und Ungarn. Die Entwicklungen im realen Sozialismus beschäftigten sie und brachten sie zum Nachdenken. Diesen Gedankengängen und ihrem schriftlichen Niederschlag ist Dr. Elke Scherstjanoj nachgefolgt. Sie ist Historikerin, keine Literaturwissenschaftlerin, aber biografisch bestens vertraut mit den Verhältnissen in der Sowjetunion und von daher sicher prädestiniert für tiefgehende Betrachtungen im Kontext von Literatur, Selbstzeugnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Sie hat den heutigen Abend unter das Motto gestellt: „Christa Wolf und die Sowjetunion. Biographische Miniaturen“. Wenn wir daran denken, dass 100 Jahre nach der Doppelrevolution in Russland 1917 auch viel Ungenaues oder ideologisch Einseitiges über die Sowjetunion publiziert wird, dürften Christa Wolfs Gedanken ein gutes Korrektiv bilden und uns zum Nachdenken anregen. In diesem Sinne begrüße ich Sie ganz herzlich, Frau Dr. Scherstjanoj, bei uns im Ambiente des Glienicker Bürgerhauses und wünsche uns allen einen schönen Abend!